Archiv für das Jahr: 2008

Typografie zum Angreifen

Katharina, Christof und ich waren – informiert vom genialen Ö1-Club – in der Heimwerkerei in Wien bei einem Bleisatz-Kurs.

Einen Tag lang haben wir Buchstaben aus Setzkästen geklaubt, im Winkelhaken zu Zeilen geschachtelt und am „Schiff“ zu ganzen Absätzen gemacht, ausgebunden und am Ende angedruckt.

Text: Hans Magnus Enzensberger

Neben dem Staunen, wie anders (und zweifelsohne mühsamer) das früher alles gewesen ist, war aber der „händische“ Umgang mit Satz und Typografie ein recht wertvoller. Das, was sonst per Import und Anwendung von Absatzstilen flott und manchmal wohl auch routiniert-unbedacht in Dateien flutscht, ist hier plötzlich greifbar, langsam und achtbar geworden. Wer einmal ein paar Zeilen Blocksatz handgesetzt hat, hat nachher einen anderen Blick auf die eigenen, elektrischen Satzdateien. Das Angreifen und Tun als Schule für das „Programmieren“ von Schriftgestaltung. Empfehlenswert jedenfalls.

Lehrer – und zwar ein guter – war Michael Karner, ein gelernter Setzer (no na…) und nunmehr typografie-leidenschaftlicher Gestalter.

Oscar Holub ARBEITEN08FÜR09

Zum fünften Mal haben wir den Kalender für Oscar Holub gestaltet und in einer exklusiven, nummerierten Auflage von 100 Stück hergestellt. Christof hat die Bilder reproduziert und Klaus hat sie nach den Originalen bildbearbeitet. Katharina und ich haben das Layout samt Einladung zusammen mit Oscar gemacht. Und schön und irgendwie anders, was die Bilder betrifft, ist er geworden. Aber jedenfalls wieder ein Beispiel wie gut der Oscar bildet. Und wieder erlaub ich mir anzumerken, wie unter(wert)schätzt die Arbeit von Oscar ist.

Oscar lädt zur Kalenderpräsentation in sein jedenfalls erlebenswertes Atelier in der Sierninger Straße nahe dem Roten Brunnen. Am Freitag, dem 28. November 2008 ab 19.30 Uhr. Kurt Rossacher und die Steyrer Tanzlmusi spielen dazu.

Da schau an…

Da haben 2005/2006 wir für Ennskraft eine Imagebroschüre gemacht. Schön, aber ein Einzelprojekt ohne dauerhafte, regelmäßige Kundenbeziehung. Aber Wirkung hat’s doch gehabt – die Homepage von Ennskraft folgt dem Gestaltungskonzept. Und: Über Nutzungsrechte denken wir besser mal nicht nach…

Frauen online.

Vor einiger Zeit haben wir das Projekt – Konzeption und Gestaltung – abgeschlossen: Jetzt ist die neue Homepage der Frauenstiftung Steyr mit Inhalten befüllt und online. Programmiert von Exabis – barrierefrei – sowohl mit Braillezeile als auch Sprachausgabe getestet und für gut befunden.

Natur im Aufwind – Blick zurück.

Die Zeitschrift des Nationalpark Kalkalpen war unser erstes großes EditorialDesign-Projekt. Von der Namensfindung noch vor der Gründung des Nationalparks über die visuelle Konzeption bis zur Weiterentwicklung des Layouts im Zug der laufenden Arbeit an den einzelnen Heften waren wir dabei: Dreizehneinhalb Jahre, 54 Ausgaben, 1.944 Seiten und zirka 4.500 Bilder lang – bis Ende 2005. Dann wurde das Projekt – auf Grund einer bis heute schwer verständlichen „Marketing“-Entscheidung – zugunsten einer Beilage in der OÖ Rundschau eingestellt.

Beachtlich an dem Projekt war, dass sich der Kunde ein Kommunikationsmedium auf hohem inhaltlichem Niveau geleistet hat. Drei RedakteurInnen haben dafür gesorgt: zunächst Gertrude Reinisch, dann Franz-Xaver Wimmer und zuletzt nationalparkintern Angelika Stückler. Für das hohe fotografische Niveau hat zum größten Teil der bekannte Naturfotograf Roland Mayr gesorgt. Hier wurden im allerbesten Sinn Werte und Qualitäten des Nationalpark-Projekts kommuniziert und nicht Werbung für Worthülsen gemacht.

Interessant war auch, dass der „Aufwind“ viele Phasen in der technischen Entwicklung mitgemacht hat: Bei Text+Bild wurden die ersten Hefte von „echten“ Setzern auf Berthold-Satzmaschinen gesetzt, auf Film ausgegeben und anschließend bei Repro-Montage-Service auf einem Scitex-System gescannt und mit den Bildern endmontiert. Gedruckt wurde bei Welsermühl (auch Vergangenheit…) im Rollenoffset. Später wurde auf Apple (zunächst mit XPress, dann mit InDesign) gesetzt und zuletzt ist das Projekt auch satztechnisch zu uns gewandert. Die letzte Druckerei war dann FriedrichVDV in Linz. Genauso ging’s von der halbautomatischen Filmmontage und Plattenbelichtung zur Direktbelichtung auf Druckplatten.

Trotz des bitteren Endes ein feines Stück unserer Geschichte.