Mittwoch, 13. Dezember 2006
Atteneder Grafik Design

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Da bei angewandtem Optimismus eine Chance besteht, dass wir die schöne Vorweihnachtszeit überleben*), erholen wir uns anschließend von diesem durchaus nicht unspannenden Jahr**).

Und zwar von Donnerstag, 21. Dezember 2006 z’Mittag bis Montag 8. Jänner 2007 in der Früh.

Zum Start fahren wir alle nach Wien – zu „unserer“ nächsten Buchpräsentation: Bertl Mütters „muetters muellerin„, zu sehen und zu hören im ziemlich sehenswerten Adolf-Loos-Salon der Musiksammlung der Wiener Stadt-und Landesbibliothek. Ist übrigens durchaus öffentlich zugänglich. Hans Czerny schenkt aus.

*) …und zwar nicht wegen der vielen Arbeit, sondern wegen der geliebten, sich aber in dieser heißalkoholisch stinkenden Stimmungszeit mir als Bürger von Jahr zu Jahr immer mehr entziehenden eventgeschmacklich verarmten C*****k***l-Stadt. Kurz: Stadtplatz, quasi Höchststrafe.

**) Guter Vorsatz für die Ferienzeit: Jeden Tag ein Referenzartikel über ein Projekt aus dem Jahr 2006.

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Dienstag, 5. Dezember 2006
Atteneder Grafik Design

Mitte März hab ich Herwig Steiner zum ersten Mal in Wien getroffen.
Na ja – nicht ganz zum ersten Mal – er hat in der Kunsthalle.tmpSteyr ausgestellt und da werden wir uns schon gesehen haben.

Mitte März hab ich in Wien, Stephansplatz 6, was gesehen, das uns zum wohl irrwitzigsten Grafik-Abenteuer der letzten Jahre veranlasst hat: Ein Anwalt, Wien I – Andreas Manak/Manak&Partner, baut um. Und statt sich einfach ein gutes, teures Bild zu kaufen und sich dafür umfassend als Kunstbildbesitzer bewundern zu lassen, beauftragt er Herwig Steiner, Kunst unentfernbar direkt in die Architektur zu integrieren. Und der prackt ihm auf 65 Quadratmetern Glasfläche ein Werk hin, das weit mehr als Kunst ist. Es ist ein Statement, das Kunst und Auftraggeber in einem Ausmaß aneinander bindet, das etwa im öffentlichen Raum nur mit sehr, sehr rückgratstarken Entscheidern und großer Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Daseins möglich wäre. Also, wie wir als Steyrer (vom „Mensch im Fluss“ in der Steyr vor dem Museum Arbeitswelt und von den Steinen von Gabi Berger in der Pfarrgasse) wissen: in Steyr zum Beispiel gar nicht…

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Zurück zu Manak&Steiner: Die Kanzlei betreten alle (alle: kein Mitarbeiter-Eingang, kein österreichartiger Schleichweg) durch einen Warteraum, der von der Kanzlei durch eine Glaswand getrennt ist. Auf dieser den Raum vollkommen dominierenden Wand befinden sich Auszüge aus den Rassegesetzen des Dritten Reichs – insbesondere die Ausübung des Anwaltberufs betreffend. Jeder, der diese Kanzlei betritt, betritt sie durch die Perversion dessen, was sich Recht nennt. Titel „Gesetz und Verbrechen“. Die einzelnen Büros sind vom Gang durch die zweite Arbeit „Not one more execution!“ getrennt. Wieder eine Glaswand, raumbeherrschend, bildnerisch dicht, die Texte: Dokumentationen über nachrecherchierte Verfahren von in den USA exekutierten Menschen. Zu Unrecht exekutierten Menschen. Acht Fälle voller Verfahrensmängel, Überforderung der Angeklagten, Rassismus, unterschlagener Beweismittel, erpresster Geständnisse. Die Namen der Toten stehen überdimensional drauf – wie Türschilder. Jeder, der diese Büros betritt, durchschreitet die Grenzen seines Metiers: Recht wird Unrecht. Statt seinen Namen samt Titel usw. auf seiner Tür zu lesen, muss er sich jedes Mal die Frage nach der Qualität seiner Arbeit stellen. Dazu gehört schon ein Haufen Demut.
Für die Qualität der Arbeiten bewundere ich Herwig Steiner, nebenbei auch für seine „Sturheit“, die zum Beispiel notwendig ist, um die Arbeit allein schon datentechnisch zu bewältigen… Ich glaub, ein bissel mehr noch bewundere ich Andreas Manak als Auftraggeber und für die Demut, die man sicherlich braucht, um sich so einen (65 Quadratmeter großen) Spiegel vorzuhalten.

Und auch, weil das nicht das Ende war – und da kommen wir ins Spiel: Es gibt seit heute, 5. Dezember 2006, eine Dokumentation über die Arbeiten. Erschienen im PassagenVerlag, 224 Seiten stark, unglaublich umfangreich an Inhalt (alle Arbeiten in lesbarer Größe abgebildet, alle Materialien, Beiträge von Andreas Manak, Manfred Novak, Sabine Folie, Erika Weinzierl, Oliver Elser u.a., ein umfangreicher Abschnitt über die Werkgruppe „Pre-Prints“ von Herwig Steiner, Raumansichten von Walter Ebenhofer…; herausgegeben von Andreas Manak, redigiert von Lucas Gehrmann) und gut gestaltet. Ich tu mich mit solchen Selbstbeurteilungen gar nicht leicht, aber in dem Fall: sehr gut gestaltet. Sehr reduziert, sehr funktional, sehr konsequent.

Sehr anstrengend für alle Beteiligten, sehr intensiv.
Und sehr schön gedruckt von Odysseus.

Heute ist offizielle Präsentation der Arbeiten und des Buchs – siehe Einladung in den obenstehenden Bildern.
Wir sind in Wien.
Danach sind die Arbeiten auch zu besichtigen – siehe Einladung in den obenstehenden Bildern.

Jetzt gibts auch einen Beitrag auf ORF-ON mit kurzem Audio-Beitrag von Herwig Steiner.

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Mittwoch, 29. November 2006
Atteneder Grafik Design

Fünf mal bin ich bisher mit der Allianz für Kinder, mit der wir eine Büropartnerschaft haben, nach Albanien gereist. Vier mal habe ich Kinder nach erfolgter Behandlung in Österreich zurück zu ihren Eltern gebracht, einmal mit Klaus-Peter Schnopfhagen den Norden von Albanien bereist.

Am vergangenen Wochenende nun habe ich zwei Ärzte und eine Physiotherapeutin zu einem Untersuchungseinsatz begleitet. Dabei werden Kinder untersucht und die Ärzte müssen entscheiden, ob eine Behandlung in Österreich möglich ist. Diese Untersuchungen fanden sowohl in Tirana als auch in Elbasan (zirka 60 Kilometer südöstlich von Tirana) in einer Missionsstation des Ordens „Missionarinnen der Nächstenliebe“ statt. Ich war mit um zu fotografieren.
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Mehr Bilder von dieser Reise gibt es hier.

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Dienstag, 21. November 2006
Atteneder Grafik Design

Gestern haben der Franz Xaver Wimmer, ein freier Journalist, und ich die Vorbesprechung für die möglicherweise nächste Kundenzeitung geführt. Möglicherweise heißt: Wir legen ein Angebot. Und weil wir ja zusammen schon ein paar Zeitungen gemacht haben –
„Natur im Aufwind“ für den Nationalpark Kalkalpen und vom Kunden Ende 2005 irrtümlicherweise und in Unkenntnis des Werts der Marke eingestellt,
„die beste Seit’n“ für die OÖ Kultiwirte,
das „GenussJournal“ für den Metzgerwirt in St. Veit im Pongau,
den „FERRACULUS“ für das FeRRUM in Ybbsitz und
die „Zeit füreinander“ für das Hotel Drei Brüder in Reith bei Unken –
haben wir leicht sagen gehabt, wie das geht mit dem Zeitung-Machen und auch einen Haufen Muster vorgelegt.

Besonders gut angekommen ist die „Zeit füreinander“. Das war ein wenig überraschend, weil das nicht zu meinen absoluten Lieblingslayouts gehört. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das Layout ist schon sehr in Ordnung, was Konzept, Planung und Qualität betrifft. Drum gibts ein auch Bild davon – das Kopffoto ist übrigens vom Christof. Aber es ist besonders weit weg von dem, was meine Vorstellung von Grafik Design wäre, wenn es nur um mich/uns ginge.

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Das Positive dran – und hier sei auf eine andere Seite verwiesen – ist jedoch, dass dieses Layout mit seinem Abstand zu meiner „eigentlichen Vorstellung“ gut zeigt, was wir unter angewandter Kunst verstehen: den Blick auf den Anwender. Und der hat ein Hotel mit einem klaren Profil, ist gut beraten in Hinblick auf Positionierung und Profil. Dazu passt die Zeitung. Und um das geht’s. Nicht darum, dass wir uns selber stilistisch verwirklichen und wiederfinden und/oder berühmt dafür werden.

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Montag, 20. November 2006
Atteneder Grafik Design

Ein tolles Konzert. Wenn verschwitzte Jugendliche in einem Konzert sowohl Pogo als auch Walzer tanzen, hat das was Eigenes.
Ein Bild hier:

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Mehr Bilder dort.

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